Normen & Akkreditierung

Handhabung von Prüfgegenständen nach ISO/IEC 17025: Probenidentifikation und Übergabekette

Wenn ein Prüfling nicht eindeutig identifizierbar ist oder niemand weiß, wer ihn zuletzt hatte, ist jedes Ergebnis angreifbar. Dieser Ratgeber zeigt, was Abschnitt 7.4 verlangt und wie Sie Eingang, Kennzeichnung und Übergaben im Laboralltag lückenlos dokumentieren.

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Kurz gesagt

Die DIN EN ISO/IEC 17025:2018 verlangt in Abschnitt 7.4, dass das Labor ein Verfahren für Transport, Annahme, Handhabung, Schutz, Lagerung, Aufbewahrung und Rückgabe oder Entsorgung von Prüfgegenständen hat. Jeder Gegenstand wird eindeutig identifiziert, und die Identifikation bleibt über die gesamte Laufzeit erhalten. Beim Eingang werden Abweichungen vom beschriebenen Zustand aufgezeichnet; bei Zweifeln an der Eignung wird vor dem Start mit dem Kunden gesprochen. Wo Umgebungsbedingungen die Gültigkeit beeinflussen, werden sie überwacht und aufgezeichnet. In der Praxis heißt das: eindeutige Kennung am Gegenstand, ein dokumentierter Eingangszustand und eine lückenlose Kette aus Halter, Standort und Zeitpunkt.

Was ein Prüfgegenstand ist und warum 7.4 gerne auffällt

Prüfgegenstand ist alles, was das Labor prüft, kalibriert oder beprobt: ein Bauteil, eine Batteriezelle, ein Muster, ein Gerät oder eine Probe. Die Norm unterscheidet nicht nach Größe oder Wert. Abschnitt 7.4 sichert, dass das Ergebnis tatsächlich zu dem Gegenstand gehört, den der Kunde geschickt hat, und dass er unterwegs und im Labor nicht verändert wurde.

Auditoren prüfen das gerne am Beispiel: Sie nehmen einen Prüfbericht, folgen der Kennung zurück zum Eingang und fragen nach Lagerort und Halter in der Zwischenzeit. Lücken fallen dabei schnell auf, weil sie sich nachträglich nicht schließen lassen.

Was Abschnitt 7.4 verlangt

  • Verfahren: Ein dokumentiertes Vorgehen für Transport, Annahme, Handhabung, Schutz, Lagerung, Aufbewahrung und Rückgabe oder Entsorgung.
  • Eindeutige Identifikation: Jeder Gegenstand ist eindeutig gekennzeichnet; die Kennung bleibt über die gesamte Laborzeit erhalten, auch bei Unterteilung in Teilproben.
  • Zuordnung: Die Identifikation stellt sicher, dass der Gegenstand nicht mit anderen verwechselt werden kann, physisch und in den Unterlagen.
  • Auffälligkeiten beim Eingang: Abweichungen vom beschriebenen Zustand oder von der Prüfspezifikation werden aufgezeichnet.
  • Rücksprache: Bestehen Zweifel an der Eignung des Gegenstands, wird vor Prüfbeginn mit dem Kunden geklärt, und das Gespräch wird dokumentiert.
  • Umgebungsbedingungen: Müssen Lagerung oder Handhabung bestimmte Bedingungen einhalten, werden diese aufrechterhalten und aufgezeichnet.

Mindestangaben beim Eingang

Der Eingang ist der Moment, in dem die Kette beginnt. Was hier fehlt, lässt sich später nicht mehr erheben. Diese Angaben sollte jeder Eingang enthalten:

AngabeWarum sie gebraucht wird
Eindeutige KennungVerknüpft Gegenstand, Messdaten und Bericht; schließt Verwechslung aus
Typ und Seriennummer des KundenZuordnung zur Auftragsunterlage und zum Prüfbericht
Zeitpunkt und annehmende PersonBeginn der Übergabekette
Zustand bei EingangSchäden, fehlende Teile, Abweichungen von der Beschreibung
FotosObjektiver Nachweis des Eingangszustands
Lagerort und LagerbedingungenNachweis, dass Bedingungen eingehalten wurden
Auftrag oder ProjektZuordnung zum Prüfauftrag
Vorgesehene Rückgabe oder EntsorgungKlärt am Ende, was mit dem Gegenstand geschieht

Die Übergabekette in sechs Schritten aufbauen

  1. 1

    Kennung festlegen

    Ein Schema, das eindeutig bleibt, zum Beispiel Jahr plus laufende Nummer, plus ein Code, den man als Barcode oder QR-Etikett aufkleben kann. Kunden-Seriennummern sind zusätzliche Daten, keine Kennung.

  2. 2

    Etikett am Gegenstand anbringen

    Direkt beim Eingang. Wenn der Gegenstand selbst nicht beklebbar ist, kennzeichnen Sie die Verpackung und dokumentieren das.

  3. 3

    Eingangszustand festhalten

    Zustand, Auffälligkeiten und Fotos in demselben Vorgang erfassen, nicht später aus dem Gedächtnis.

  4. 4

    Jeden Wechsel erfassen

    Übergabe an eine Kollegin, Umlagerung, Versand an ein Fremdlabor: Jeder Wechsel von Halter oder Standort ist ein Ereignis mit Zeitpunkt, Person und Ort.

  5. 5

    Zustand vor Prüfbeginn abgleichen

    Der Prüfer scannt den Gegenstand, sieht Halter, Standort und Eingangszustand und bestätigt, dass er zum Auftrag passt.

  6. 6

    Kette sauber abschließen

    Rückgabe oder Entsorgung als letztes Ereignis erfassen, mit Datum und Verantwortlichem; erst dann ist die Kette geschlossen.

Typische Feststellungen im Audit

  • Ein Gegenstand trägt keine Kennung, oder die Kennung steht nur auf der Verpackung, die entsorgt wurde.
  • Der Eingangszustand ist nicht dokumentiert; Schäden lassen sich nicht mehr dem Transport oder dem Labor zuordnen.
  • Bei Zweifeln an der Eignung wurde ohne dokumentierte Rücksprache mit dem Kunden geprüft.
  • Lagerort und Halter sind für Zeiträume zwischen zwei Prüfschritten nicht belegt.
  • Vorgeschriebene Lagerbedingungen (Temperatur, Ladezustand, Feuchte) wurden nicht aufgezeichnet.
  • Rückgabe oder Entsorgung sind nicht nachvollziehbar, die Kette endet ohne Abschluss.

Werkzeuge: Tabelle, Etikett oder Prüflingsverwaltung

Eine Tabelle genügt, solange sie von allen Beteiligten gepflegt wird, jeder Eintrag Datum und Person trägt und nichts überschrieben wird. In der Praxis scheitert es an der Disziplin: Einträge werden später nachgetragen, Änderungen sind nicht mehr nachvollziehbar. Eine Prüflingsverwaltung nimmt diese Last ab, wenn sie drei Dinge kann:

  • Eine Pflicht zu Halter und Standort bei jedem Ereignis, damit keine Lücken entstehen.
  • Einen scannbaren Code, der direkt zur Detailseite des Gegenstands führt.
  • Eine Änderungshistorie, die auch gelöschte oder korrigierte Einträge nachvollziehbar hält.

TestLabIQ führt je Prüfling eine Chain of Custody mit Ereignissen (erhalten, übergeben, umgelagert, zurückgegeben, entsorgt), Pflichtfeldern Halter und Standort, Fotos je Ereignis und einem scannbaren Kurzcode für Barcode- oder QR-Etiketten. Auch Rückdatierungen und Löschungen bleiben im Audit-Log sichtbar. Messungen an einem Prüfling lassen sich direkt mit dessen Seite verknüpfen. Umgebungsbedingungen während der Lagerung erfasst TestLabIQ nicht automatisch; Klimadaten hinterlegen Sie als Notiz am Ereignis oder führen sie in Ihrem Klimaüberwachungssystem.

Häufige Fragen

Was verlangt ISO 17025 Abschnitt 7.4?

Ein Verfahren für Transport, Annahme, Handhabung, Schutz, Lagerung, Aufbewahrung und Rückgabe oder Entsorgung von Prüfgegenständen, eine eindeutige Identifikation über die gesamte Laufzeit, die Aufzeichnung von Auffälligkeiten beim Eingang und Rücksprache mit dem Kunden bei Zweifeln.

Was gehört zur Probenidentifikation nach ISO 17025?

Eine eindeutige Kennung, die nicht mit anderen Gegenständen verwechselt werden kann, am Gegenstand selbst oder an seiner Verpackung angebracht ist und bis zum Ende des Auftrags erhalten bleibt, einschließlich der Zuordnung von Teilproben.

Muss die Übergabekette (Chain of Custody) lückenlos sein?

Die Norm nennt den Begriff nicht, verlangt aber, dass Identität und Zustand des Gegenstands nachvollziehbar bleiben. Wer bei Gerichts-, Behörden- oder Sicherheitsprüfungen arbeitet, benötigt meist eine lückenlose Kette mit Halter, Standort und Zeitpunkt je Wechsel.

Was tun, wenn ein Prüfling beschädigt ankommt?

Zustand und Schaden mit Fotos aufzeichnen, den Kunden vor Prüfbeginn informieren und seine Entscheidung dokumentieren, ob geprüft werden soll. Im Prüfbericht wird der Zustand bei Eingang dann benannt.

Was passiert mit Prüfgegenständen nach der Prüfung?

Das Labor legt Aufbewahrungsdauer sowie Rückgabe oder Entsorgung fest, am besten schon bei Auftragsannahme. Beides wird als abschließendes Ereignis der Kette dokumentiert.

Wissen, wo jeder Prüfling ist

TestLabIQ führt Eingang, Übergaben und Standort je Prüfling in einer lückenlosen Kette, mit scannbarem Code und Audit-Log.

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Dieser Ratgeber dient der redaktionellen Orientierung und ist keine Auslegung der Norm. Prüfen Sie stets den aktuellen Normtext und die Vorgaben Ihrer Akkreditierungsstelle.