Normen & Akkreditierung

Managementbewertung nach ISO/IEC 17025: Eingaben, Ergebnisse und Nachweis

Die Managementbewertung ist der Moment, in dem die Laborleitung das gesamte Managementsystem bewertet. Dieser Ratgeber zeigt, welche Eingaben Abschnitt 8.9 verlangt, was am Ende dokumentiert sein muss und wie Sie die Sitzung vorbereiten.

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Kurz gesagt

Die DIN EN ISO/IEC 17025:2018 verlangt in Abschnitt 8.9 (Option A), dass die Laborleitung ihr Managementsystem in geplanten Abständen bewertet, um fortlaufende Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit sicherzustellen. Üblich ist mindestens einmal jährlich. Eingaben sind unter anderem Änderungen des Umfelds, Zielerreichung, Ergebnisse interner Audits, Korrekturmaßnahmen, Begutachtungen durch externe Stellen, Beschwerden, Rückmeldungen, Ressourcen, Risiken und Ergebnisse der Ergebnissicherung (z. B. Eignungsprüfungen). Ergebnisse sind Entscheidungen und Maßnahmen zu Wirksamkeit des Systems, Verbesserungen, Ressourcen und Änderungsbedarf. Beides muss aufgezeichnet sein, und die Maßnahmen müssen innerhalb eines angemessenen Zeitraums umgesetzt werden.

Was Abschnitt 8.9 verlangt

Abschnitt 8.9 gilt für Labore, die ihr Managementsystem nach Option A betreiben. Labore nach Option B (ein System nach ISO 9001) erfüllen die Anforderung über die Managementbewertung nach ISO 9001, müssen aber die Inhalte aus 8.9 abdecken, soweit sie laborspezifisch sind.

TeilInhalt
8.9.1 AllgemeinesDie Laborleitung bewertet das Managementsystem in geplanten Abständen, um fortlaufende Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit sicherzustellen, einschließlich der Politik und der Ziele zur Erfüllung der Norm
8.9.2 EingabenAufzeichnung der Bewertungseingaben, mindestens die in der Norm genannten Punkte (siehe unten)
8.9.3 ErgebnisseAufzeichnung von Entscheidungen und Maßnahmen zu: Wirksamkeit des Managementsystems und seiner Prozesse, Verbesserung der Labortätigkeiten im Hinblick auf die Anforderungen, Bereitstellung benötigter Ressourcen, Änderungsbedarf

Die Norm nennt kein festes Intervall; „geplante Abstände“ bedeutet, dass Sie es festlegen und begründen. In der Praxis erwarten Begutachter mindestens eine Bewertung pro Jahr und eine zusätzliche nach wesentlichen Änderungen.

Die Eingaben nach 8.9.2

Die Norm führt die Eingaben als Liste auf. Für die Praxis lohnt es sich, jeden Punkt einer Datenquelle zuzuordnen, damit die Vorbereitung nicht jedes Jahr neu beginnt.

EingabeTypische Quelle
Änderungen interner und externer Themen, die für das Labor relevant sindRisikoregister, Marktbeobachtung, Gesetzes- und Normenänderungen
Erreichung der ZieleZielkennzahlen des Vorjahres, z. B. Durchlaufzeit, Termintreue, Wiederholungsprüfungen
Eignung von Politik und VerfahrenProzessbewertungen, Rückmeldungen aus dem Tagesgeschäft
Status der Maßnahmen aus früheren BewertungenMaßnahmenliste der Vorjahres-Bewertung
Ergebnisse jüngster interner AuditsAuditberichte, offene Feststellungen
KorrekturmaßnahmenAbweichungs- und Maßnahmenverwaltung
Begutachtungen durch externe StellenBerichte der Akkreditierungsstelle, Kundenaudits
Änderungen von Umfang und Art der Arbeit sowie des TätigkeitsbereichsAuftragsstatistik, Akkreditierungsumfang
Rückmeldungen von Kunden und PersonalKundenumfragen, Mitarbeitergespräche
BeschwerdenBeschwerdeverzeichnis mit Bearbeitungsstand
Wirksamkeit umgesetzter VerbesserungenWirksamkeitsprüfungen abgeschlossener Maßnahmen
Angemessenheit der RessourcenPersonalplanung, Auslastung, Ausstattung
Ergebnisse der RisikoermittlungRisikobewertung nach Abschnitt 8.5
Ergebnisse der Sicherung der Gültigkeit von ErgebnissenEignungsprüfungen, Ringversuche, interne Qualitätskontrolle (7.7)
Sonstige relevante Faktoren wie Überwachungstätigkeiten und SchulungSchulungsplan, Überwachung von Personal und Prüfmitteln

Die Managementbewertung in sieben Schritten

  1. 1

    Termin und Teilnehmer festlegen

    Laborleitung, Qualitätsmanager und die Verantwortlichen der Bereiche. Das Intervall und die Teilnehmer gehören in das Verfahren, nicht nur in den Kalender.

  2. 2

    Datenquellen je Eingabe benennen

    Eine Tabelle wie oben, mit Verantwortlichem und Stichtag. Sie ersetzt die jährliche Suche nach Unterlagen.

  3. 3

    Eingaben zusammenstellen

    Kennzahlen mit Vorjahresvergleich, offene Maßnahmen und Feststellungen. Zahlen vor Einschätzungen: Die Sitzung soll bewerten, nicht erst sammeln.

  4. 4

    Sitzung durchführen und protokollieren

    Jede Eingabe wird besprochen und bewertet. Das Protokoll hält fest, was entschieden wurde, nicht nur, was besprochen wurde.

  5. 5

    Maßnahmen ableiten

    Je Maßnahme: Verantwortlicher, Termin, erwartetes Ergebnis. Zu Ressourcen und Änderungsbedarf gehört eine ausdrückliche Entscheidung, auch wenn sie „keine Änderung“ lautet.

  6. 6

    Umsetzung nachverfolgen

    Die Norm verlangt Umsetzung innerhalb eines angemessenen Zeitraums. Offene Punkte gehören in die laufende Maßnahmenverwaltung, nicht in den Ordner.

  7. 7

    Wirksamkeit in der nächsten Bewertung prüfen

    Der Status der Maßnahmen ist selbst eine Eingabe der Folge-Bewertung, so schließt sich der Kreis.

Typische Feststellungen von Begutachtern

  • Die Bewertung fand statt, aber nicht in geplanten Abständen oder das Intervall ist nirgends festgelegt.
  • Einzelne Eingaben fehlen, meist Beschwerden, Risiken, Ergebnisse der Ergebnissicherung oder Personalrückmeldungen.
  • Das Protokoll listet Themen auf, enthält aber keine Entscheidungen und Maßnahmen.
  • Maßnahmen ohne Verantwortlichen oder Termin; der Status in der Folge-Bewertung fehlt.
  • Die Bewertung wird kurz vor der Begutachtung nachgeholt und stützt sich auf Zahlen, die niemand regelmäßig erhebt.
  • Die Laborleitung war nicht beteiligt: Das Protokoll stammt allein vom Qualitätsmanagement.

Der gemeinsame Nenner ist fehlende Datenbasis. Wenn Abweichungen, Maßnahmen, Auslastung und Berichte im laufenden Betrieb an einer Stelle erfasst werden, besteht die Vorbereitung aus Auswerten statt aus Zusammensuchen.

Häufige Fragen

Wie oft muss die Managementbewertung stattfinden?

Die Norm verlangt „geplante Abstände“ und nennt keine Zahl. Üblich und von Akkreditierungsstellen erwartet ist mindestens einmal jährlich, zusätzlich anlassbezogen nach wesentlichen Änderungen wie neuem Standort, neuem Verfahren oder Wechsel der Laborleitung.

Wer muss an der Managementbewertung teilnehmen?

Die Laborleitung muss bewerten, also teilnehmen und die Entscheidungen tragen. Der Qualitätsmanager bereitet vor und protokolliert; Bereichsverantwortliche liefern Eingaben. Ein Protokoll ohne Beteiligung der Leitung wird regelmäßig beanstandet.

Ist die Managementbewertung dasselbe wie das interne Audit?

Nein. Das interne Audit prüft, ob die Anforderungen erfüllt werden, und wird von unabhängigen Personen durchgeführt. Die Managementbewertung bewertet das System als Ganzes durch die Leitung und nutzt die Auditergebnisse als eine ihrer Eingaben.

Muss die Managementbewertung eine Sitzung sein?

Die Norm schreibt keine Form vor. Wichtig ist, dass die Eingaben vollständig bewertet werden und Entscheidungen und Maßnahmen aufgezeichnet sind. Eine Sitzung mit Protokoll ist der gängigste Weg, ein Umlaufverfahren ist möglich, wenn es Diskussion und Entscheidung nachweisbar macht.

Was gilt für Labore nach Option B?

Labore, deren Managementsystem nach ISO 9001 zertifiziert ist und die Anforderungen der Abschnitte 4 bis 7 der ISO/IEC 17025 erfüllen, erfüllen 8.9 über die Managementbewertung nach ISO 9001. Die laborspezifischen Eingaben, etwa zur Ergebnissicherung, sollten dennoch behandelt werden.

Abweichungen, Maßnahmen und Berichte an einer Stelle

TestLabIQ erfasst Abweichungen, Berichte und Auslastung im laufenden Betrieb, damit die Managementbewertung mit Auswertungen statt mit Suchen beginnt.

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Dieser Ratgeber ist eine redaktionelle Orientierung und keine Rechts- oder Akkreditierungsberatung. Maßgeblich sind der Wortlaut der DIN EN ISO/IEC 17025 in der gültigen Fassung und die Auslegung Ihrer Akkreditierungsstelle.